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Statistik politisch rechts motivierter Gewalttaten in Sachsen-Anhalt

Im Folgenden werden diejenigen Fälle politisch rechts motivierter Gewalt in Sachsen-Anhalt ausgewertet, die von der Mobilen Opferberatung in Kooperation mit der Beratungsstelle für Opfer rechter Straf- und Gewalttaten in Dessau für den Zeitraum 2003 bis 2016 dokumentiert wurden. Diese Zahlen sind lediglich ein Indikator für das tatsächliche Ausmaß politisch rechts motivierter Gewalt in Sachsen-Anhalt, da von einem hohen Dunkelfeld in diesem Deliktbereich ausgegangen werden muss. Eine Studie der Europäischen Grundrechteagentur in 2009 geht beispielsweise davon aus, dass lediglich ein Viertel aller rassistischen Gewalttaten zur Anzeige kommen.1

Die Erfassungskriterien der Mobilen Opferberatung orientieren sich am polizeilichen Definitionssystem »politisch motivierten Kriminalität« (PMK). Demnach gilt eine Tat als politisch motiviert, »wenn die Umstände der Tat oder die Einstellung des Täters darauf schließen lassen, dass sie sich gegen eine Person aufgrund ihrer politischen Einstellung, Nationalität, Volkszugehörigkeit, Rasse2, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft, sexuellen Orientierung, Behinderung oder ihres äußeren Erscheinungsbildes bzw. ihres gesellschaftlichen Status richtet« (vgl. BMI/BMJ (Hrsg.) (2006): Zweiter Periodischer Sicherheitsbericht. Berlin, S.135).

… nach Landkreisen/ kreisfreien Städten

  2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Altm.kreis Salzwedel 4 2 10 14 7 9 5 16 7 3 5 13 8 18
Anhalt-Bitterfeld 9 16 15 27 24 17 8 9 13 8 7 3 22 16
Börde 2 4 5 11 12 12 12 9 7 14 9 4 19 18
Burgenlandkreis 4 1 2 4 18 14 11 12 6 13 12 6 13 17
Harz 7 22 49 37 27 22 12 13 4 7 6 9 8 2
Jerichower Land 6 6 18 13 13 9 9 19 21 8 12 10 12 40
Mansfeld-Südharz 2 3 6 11 8 7 0 2 2 3 2 1 8 8
Saalekreis 1 4 4 10 13 11 9 14 9 12 8 21 14 20
Salzlandkreis 3 2 5 16 3 8 7 3 6 4 4 6 7 8
Stendal 2 0 2 5 6 11 9 4 13 5 9 4 2 12
Wittenberg 6 2 10 7 8 6 4 2 2 6 9 8 4 10
Dessau-Roßlau 9 27 10 7 13 24 27 9 6 9 5 5 3 19
Halle 10 7 11 13 7 9 15 5 16 15 19 19 76 47
Magdeburg 15 11 23 27 28 26 15 17 33 11 34 11 43 30
gesamt 80 107 170 202 187 185 143 134 145 118 141 120 239 265

… nach Straftatbestand

  2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010  2011 2012  2013  2014  2015

2016

Körperverletzung (KV)  65 77 136 160 159 162 117 112 124  90  114  99 197 224
Nötigung/ Bedrohung/
(vers. KV)
6 20  19  25  20 10  15 15 16  22 21 19 21 6
schwere KV/
versuchte Tötung
 0 1  3 1  1  0  0 1 0  2 1 0 0 6
Tötung  1 1  0 0  0  2  0 0 0  0  0 0 0 0
Brandstiftung  5 2  2 1  2  2  3 1 3  2 1 2 10 12
massive Sachbeschädigung  2 3  7 9  4  7  5 3 0  1 3 0 7 9
sonstiges  1 3  3 6  1  2  3 2 2  1 0 0 4 8
 gesamt  80  107  170  202  187  185  143 134
145  118   141  120 239 265

 

… nach Tatmotivation

  2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
gegen Nichtrechte  28  63 98 104  125 119 87 62 44  33 32 19 7 11
Rassismus  40  31 53 75  49 46 34 55 51  68 83 72 155 176
gegen politisch Aktive  9  8 15 19  9 16 20 12 43  13 20 23 62 72
Antisemitismus  0 3 3 1  1 1 1 2 2  1 3 2 3 1
Homophobie  1 0 0 0  2 0 0 0 2  2  0 3 3 1
gegen sozial Benachteiligte  0 4 0 2  0 1 1 3 0  1 2 1 1 2
gegen Behinderte  1 0 0 0  0 1 0 0 0  0 1 0 4 1
sonstige  1 1 1 1  1 1 0 0 3  0 0 0 3 0
gesamt  80  107 170
202
187
185
143 134
145  118 141 
120 239 265

(Stand März 2017)

Differenzen zwischen den Zahlen von Polizei und Mobiler Opferberatung ergeben sich zum einen aus unterschiedlichen Bewertungen und Einschätzungen der Tathintergründe. Zum anderen dokumentiert die Mobile Opferberatung – ebenso wie alle Beratungsprojekte für Betroffene rechter Gewalt in den neuen Bundesländern und Berlin – nach sorgfältiger Recherche auch Gewalttaten, die nicht zur Anzeige gebracht wurden sowie in Einzelfällen auch Bedrohungen, Nötigungen und Sachbeschädigungen, wenn diese mit schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen verbunden waren. Außerdem aktualisiert das Projekt – im Gegensatz zur polizeilichen Erfassung – auch die Statistiken aus den Vorjahren nach Bekanntwerden weiterer Angriffe oder nach Verifizierung der Tatmotivation.

1 vgl. http://fra.europa.eu/eu-midis/
2 Das Konzept der „Rasse“ ist obsolet geworden und auch wissenschaftlich widerlegt. So erklärte beispielsweise eine auf Einladung der UNESCO zusammengekommene Arbeitsgruppe von 18 internationalen Wissenschaftler_innen 1995 in einer Stellungnahme, dass es „keinen wissenschaftlich zuverlässigen Weg gibt, die menschliche Vielfalt mit den starren Begriffen, ‚rassischer‘ Kategorien oder dem traditionellen ‚Rassen‘-Konzept zu charakterisieren.“ Es gäbe „keinen wissenschaftlichen Grund, den Begriff ‚Rasse‘ weiterhin zu verwenden.“

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