Mobile Opferberatung in Sachsen-Anhalt ruft angesichts des Wahlergeb-nisses dazu auf, Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Bedrohungen und Gewalt zu schützen.
Magdeburg/ Halle (Saale), den 7. September 2026
Angesichts der Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt ruft die Mobile Opferberatung in Trägerschaft des Vereins Miteinander e.V. dazu auf, Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt und Bedrohungen zu schützen.
„Wir können und werden Solidarität und Menschenrechte verteidigen“, sagt Zissi Sauermann, Projektleitung der Mobilen Opferberatung und warnt: „Der Wahlsieg der rechtsextremen AfD hat existenzielle Folgen für viele Menschen. Denn Geflüchtete, LGBTIQ- Personen, Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit werden ebenso wie zivilgesellschaftlich Engagierte im Regierungsprogramm der AfD als politische Gegner*innen markiert.“
Diese Programmatik führe zu Gewalt und institutioneller Diskriminierung und Ausgrenzung, warnt die Mobile Opferberatung: „Wir haben im Wahlkampf gesehen, dass sich ein AfD-Europaabgeordneter mit einem bewaffneten Angriff auf Minderjährige gebrüstet hat und tausende auf Facebook dieser rechtswidrigen Selbstjustiz applaudiert haben“.
Schon jetzt gehört Sachsen-Anhalt zu den negativen Spitzenreitern in Bezug auf das Ausmaß rechter Angriffe pro 100.000 Einwohner*innen – das zeigen die Statistiken des Bundeskriminalamts und der Mobilen Opferberatung. Die Gefahr, in Sachsen-Anhalt als Person of Colour oder Geflüchtete aus rassistischen Motiven angegriffen zu werden, ist drei bis vier Mal höher als in den allermeisten 16 Bundesländern.
Pascal Begrich, Geschäftsführer von Miteinander e.V. betont: „Dass mehr als 40 Prozent in Sachsen-Anhalt eine rechtsextreme Partei wählen, ist nicht nur eine historische Zäsur. Es ist eine Belastungsprobe für die Demokratie. Eine mögliche AfD-Regierung ist eine ernsthafte Bedrohung für Menschen mit Migrationsgeschichte, Engagierte vor Ort und die Zivilgesellschaft. Sie alle benötigen jetzt Ermutigung und Unterstützung.“
Die Mobile Opferberatung berät seit 25 Jahren in Trägerschaft des Vereins Miteinander e.V. Verletzte und Betroffene rechter Gewalt und wird in Umsetzung der EU-Opferschutzrichtlinie 29/12 aus Bundes- und Landesmitteln gefördert.
„Damit wir auch in Zukunft an der Seite der Angegriffenen stehen können, haben wir eine Spendenkampagne gestartet. Denn die AfD betont, dass sie im Fall einer Regierungsübernahme die Förderung für den Trägerverein Miteinander e.V. beenden wird,“ sagt die Sprecherin der Mobilen Opferberatung. „Wir sind zudem darauf angewiesen, dass die Bundesregierung ihrer Verantwortung für die vulnerablen Gruppen von Gewaltbetroffenen nachkommt und im Fall einer AfD-Landesregierung für den Wegfall der Landesförderung einspringt“.
Hinweis zur Pressekonferenz zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt:
Miteinander e.V., die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt und der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt laden am heutigen Montag, 7. September 2026, um 10 Uhr ins einewelt haus Magdeburg (Schellingstraße 3–4) ein. Thema sind eine erste zivilgesellschaftliche Einordnung des Wahlergebnisses sowie die Folgen des Erstarkens der AfD für Organisationen und Initiativen in Sachsen-Anhalt, die von der Partei als politische Gegner markiert werden oder aufgrund ihrer Arbeit unter Druck geraten.
