Mobile Opferberatung, 28.08.2020

Seit Dienstag, 21. Juli 2020, läuft vor dem Oberlandesgericht Naumburg am Landgericht Magdeburg der Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag in Halle (Saale). Am 9. Oktober 2019 hatte der Attentäter nach seinem erfolglosen Versuch, am höchsten jüdischen Feiertag Yom Kippur in die Hallesche Synagoge einzudringen und dort möglichst viele Jüd*innen zu ermorden, Jana L. und Kevin S. erschossen, zwei Menschen durch Schüsse schwer verletzt und zahlreiche weitere Menschen traumatisiert. Nur weil die Planung des Täters nicht aufging und selbstgebaute Waffen versagten, sind nicht wesentlich mehr Opfer zu beklagen. So geht der Generalbundesanwalt in seiner Anklage neben den zwei Morden von 68-fachem, versuchten Mord aus.

Wir stehen während des Prozesses an der Seite der Betroffenen. Deshalb wollen wir an dieser Stelle auf Stimmen von Betroffenen und ihren Anwält*innen, Prozessdokumentationen oder weitere solidarische Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Verfahren hinweisen. Dieser Beitrag wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt.

=

halle-prozess-report.de

Der Blog www.halle-prozess-report.de/ berichtet aus Sicht der Nebenklage über das Verfahren. Er bietet detaillierte und tägliche Berichte über den Prozess, will den Anschlag aber auch in seinen Kontexten beleuchten. Rechtlich wird er von mehreren Nebenklägervertreter*innen betreut und auch von Betroffenen mitgestaltet. Die Inhalte sollen auf deutsch, englisch und russisch nachlesbar sein.

=

Belltower.News

In einer Interviewserie von Belltower.News, dem journalistischen Internetportal der Amadeu Antonio Stiftung mit einigen Nebenkläger*innen des Gerichtsverfahrens sprechen Betroffene darüber, wie sie den Anschlag erlebt haben, warum sie sich für eine Nebenklage entschieden haben und was sie sich von dem Gerichtsverfahren erhoffen:

– Interview mit Rebecca Blady: “Nebenklägerin zu sein bedeutet für mich, die Deutungshoheit über meine Erinnerung zu haben”.

– Interview mit Naomi Henkel-Gümbel: “Ich möchte, dass mehr Fakten ans Licht kommen”.

– Interview mit Adiraxmaan Aftax Ibrahim: “Ich möchte, dass es als rassistischer Angriff anerkannt wird”.

– Interview mit Max Privorozki: “Für mich ist die Anklageschrift nicht vollständig”.

– Interview mit Conrad Rößler: “Mir ist es wichtig, dass die politische Dimension der Tat anerkannt wird”.

– Interview mit Jeremy Borovitz: “Antisemitismus, Rassismus und Islamophobie sind eng miteinander verbunden”.

– Interview mit Ismet Tekin: “Ich möchte mein Recht wahrnehmen, Teil der Aufklärung zu sein”.

=

Bundesverband VBRG e.V.

Zusammen mit NSU Watch dokumentiert unser Bundesverband VBRG e.V. den Prozess. Es werden wöchentlich Zusammenfassungen von i.d.R. zwei Prozesstagen auf Deutsch, Russisch und Englisch veröffentlicht unter: www.verband-brg.de/prozessdokumentation_anschlag_halle_2019/

=

democ. Zentrum Demokratischer Widerspruch e.V.

Der Verein democ. Zentrum Demokratischer Widerspruch e.V. beobachtet den Prozess kontinuierlich und publiziert zeitnah Kurzberichte und Verhandlungsprotokolle auf seiner Webseite oder via twitter unter @democ_de.

=

Kundgebungen

Seit dem Prozessauftakt am 21. Juli gibt es mit dem Anspruch “Keine Bühne für den Täter – Solidarität mit den Betroffenen”an jedem Verhandlungstag Kundgebungen bzw. Mahnwachen schräg gegenüber des Landgerichts Magdeburg, welche unter anderem von @NSU_Tribunal Halle, @9Initiative, AK Antira Magdeburg, @HalggR, @md_solidarisch, @SeebrueckeMD, @IfS_dicht, Antirassistisches Netzwerk Sachsen-Anhalt, Regina – Ravende Europäer gg. Intoleranz & Nationalismus organisiert werden.

=

Radio Corax

Seit Beginn des Prozesses berichtet das freie Radio Corax über das Geschehen im und außerhalb des Gerichtssaals. So sind Redebeiträge von der Auftaktkundgebung sowie die im jeweiligen Morgenmagazin nach jedem Prozesstag veröffentlichten Zusammenfassungen und Einschätzungen hier nachzuhören.

=

Podcast "Halle nach dem Anschlag vom 9. Oktober 2019"

Zeitnah zu jedem Prozesstag veröffentlicht Radio Corax in Kooperation mit Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage und dem AK Protest im Studierendenrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg einen Podcast mit Informationen und Einschätzungen zum Verhandlungsverlauf. Bei Spotify und Apple Podcasts ist der Podcast zum Nachhören und Abonnieren verfügbar.