Mobile Opferberatung (Salzwedel, Magdeburg, Halle), 27.04.2026

Opferberatung warnt vor einer gefährlicher Gewöhnung an Rassismus und rechte Gewalt +++ Vier bis fünf Angriffe pro Woche +++ Gewalt gegen politische Gegner*innen um ein Drittel angestiegen +++ Besonders im Fokus: politisch Engagierte, migrantisches und queeres Leben

229 rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe mit 307 direkt Betroffenen hat die Mobile Opferberatung für das Jahr 2025 in Sachsen-Anhalt dokumentiert. Damit gab es im vergangenen Jahr statistisch gesehen vier bis fünf rechte Angriffe pro Woche.[1] Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl von 2,1 Millionen Menschen werden somit in Sachsen-Anhalt mit 6,7 rechten Angriffen pro 100.000 Einwohner*innen etwa drei Mal so viele rechte Gewalttaten verübt wie im Durchschnitt in den westdeutschen Flächenländern.[2] Der Rückgang bei der Gesamtzahl der Angriffe im Vergleich zum Vorjahr von rund 20 Prozent (2024: 290) ist kein Anlass zur Entwarnung. Dies zeigt u.a. der Anstieg bei Angriffen gegen politische Gegner*innen.

Für 2025 hat das spezialisierte Gewaltopferberatungsprojekt insgesamt 135 Körperverletzungsdelikte (2024: 175), 82 Bedrohungen bzw. Nötigungen[3] (2024: 101), sieben Brandstiftungen (2024: 6) sowie fünf massive Sachbeschädigungen (2024: 5) registriert. Somit bleibt das Ausmaß rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt im Jahr 2025 im bundesdeutschen Vergleich auf einem besorgniserregend hohen Niveau. Hinzu kommt ein gesellschaftliches Klima, in dem viele Angegriffene statt Solidarität und Mitgefühl zu erleben zunehmend mit Abwehr, Gleichgültigkeit und einer Normalisierung rechter Narrative konfrontiert sind.

Vor dem Hintergrund des bekannten Brandstiftereffekts in Wahlkampfzeiten ist insbesondere der Anstieg von Angriffen gegen politische Gegner*innen in 2025 um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr und das Ausmaß rassistisch motivierter Gewalt alarmierend. Denn mit der Verbreitung extrem rechter Positionen und entsprechender Feindbildkommunikation, abwertender Rhetorik und Bedrohungsnarrativen ist eine weitere Normverschiebung und Polarisierung in der Gesellschaft absehbar.

„Wir sehen eine große Gefahr der weiteren Normalisierung extrem rechter, minderheiten- und demokratiefeindlicher Positionen. Aus den Erfahrungen u.a. der Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen wissen wir, dass mit stärkerer Verbreitung extrem rechter Positionen die Hemmschwelle zur Anwendung von Gewalt auch in Sachsen-Anhalt weiter sinken wird. Politik und Gesellschaft stehen in der Verantwortung, Betroffene konsequent zu schützen, Beratungs- und Unterstützungsstrukturen dauerhaft abzusichern und Hass und Hetze klar zurückzuweisen.“

ANTJE ARNDT, MOBILE OPFERBERATUNG

Ausmaß rassistischer Gewalt weiterhin besorgniserregend

130 der 229 Angriffe in 2025 und damit 57 Prozent waren rassistisch motiviert – mit 185 direkt Betroffenen (2024: 186 Angriffe). Mindestens 42 und damit fast ein Viertel der direkt von rassistischer Gewalt Betroffenen waren zum Tatzeitpunkt unter 18 Jahre alt[4]. So wie die 12-Jährige mit syrischer Familiengeschichte, die am 23. Februar im Magdeburger Stadtteil Neustädter See in Anwesenheit ihrer jüngeren Geschwister von einer Unbekannten aus einer fünfköpfigen Gruppe heraus rassistisch beleidigt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen wurde. In der Folge wurde sie von der Täterin gegen eine Hauswand geschubst, festgehalten und mit einem Messer bedroht. Oder wie zwei Schüler aus der Gruppe der 15- bis 18-Jährigen, die sich am 14. Juni in Merseburg (Saalekreis) in einem Schnellrestaurant auf Arabisch unterhielten und daraufhin von einem Mann massiv rassistisch beleidigt und schließlich vor der Filiale angegriffen wurden. Der 18-Jährige erlitt u.a. einen Nasenbeinbruch und ein geplatztes Trommelfell. Er musste operiert und stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Zudem waren sechs der sieben dokumentierten Brandstiftungen rassistisch motiviert[5]: So wie Ende Mai, als Unbekannte im Ortsteil Reideburg in Halle (Saale) einen Brandsatz in ein gerade in Renovierung befindliches, unbewohntes Gebäude warfen, welches ab Sommer als Unterkunft für unbegleitete minderjährige Geflüchtete dienen sollte. Ebenso wie am 12. September, wo Unbekannte einen Brandanschlag auf eine Gewerbehalle in Hasselfelde (Harz) verübten, die sich im Umbau zu einem Veranstaltungssaal befand. Der Sachschaden war erheblich. Bereits im Vorfeld waren die Besitzer, eine muslimische Familie aus Nordrhein-Westfalen, in sozialen Netzwerken angefeindet sowie extrem rechte Aufkleber auf dem Gelände verklebt worden. Am 27. Dezember wurden auf demselben Gelände zwei Wohnwagen in Brand gesetzt, die vollständig ausbrannten. Oder am 28. November gegen 4 Uhr nachts, wo Unbekannte in Haldensleben (Börde) einem migrantisch geführten Handyladen in Brand setzten und an der Eingangstür ein mit roter Farbe aufgesprühtes Hakenkreuz hinterließen.

Hohes Niveau rassistisch motivierter Resonanztaten in Magdeburg zu Jahresbeginn

Auch in den ersten zwei Monaten des Jahres 2025 war der sprunghafte Anstieg von vor allem antimuslimischen Rassismus nach dem mörderischen Anschlag eines 50-jährigen Mannes aus Saudi-Arabien auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt am 20. Dezember 2024 noch weiter spürbar.[6] So hat die Mobile Opferberatung für Januar 2025 insgesamt 12 rassistisch motivierte sog. Resonanztaten und damit immer noch ein deutlich erhöhtes Niveau rassistischer Gewalt für Magdeburg dokumentiert. Darunter waren auch mehrere Angriffe auf migrantische Geschäfte: Zwei Mal beschädigte ein Unbekannter im Januar im Stadtteil Alte Neustadt gezielt zwei Läden durch starke Böllerexplosionen.[7] Und am 21. Januar schüttete ein Unbekannter am frühen Nachmittag eine nach Chlor riechende Flüssigkeit über die Obst- und Gemüseauslage eines syrischen Lebensmittelgeschäftes.

Für Februar dokumentierte die Mobile Opferberatung noch 6 rassistisch motivierte Gewalttaten in Magdeburg, bevor sich die Gewalt wieder in etwa auf das Niveau des Vorjahres einpendelte mit etwa drei bis vier rassistischen Angriffen pro Monat. [8] So wie den Angriff am 21. Februar, wo sich zwei junge Männer auf dem Nachhauseweg von der Arbeit auf Arabisch unterhielten und daraufhin aggressiv aus einer Gruppe Unbekannter angesprochen und mit einem Messer attackiert wurden. Einer der Betroffenen musste im Krankenhaus operiert, der andere vor Ort medizinisch versorgt werden. Dass dieser Angriff trotz öffentlicher Kritik[9] von der Polizei nicht als rassistisch motiviert anerkannt wurde, bleibt unverständlich und ist leider kein Einzelfall: Acht weitere Angriffe, die seit dem Anschlag von der Mobilen Opferberatung bis Ende Februar 2025 als rassistische Resonanztaten dokumentiert wurden und auch polizeibekannt waren, sind bisher vom Landeskriminalamt nicht als politisch rechts motiviert eingestuft. Beispielsweise auch die Tat vom 7. Januar, wo ein 23-Jähriger mit syrischem Hintergrund aus einer Fünfergruppe dunkel gekleideter Personen heraus beleidigt, umstellt und schließlich u.a. mit Schlagstock angegriffen wurde. Oder die Tat vom 18. Januar: Ein 31-Jähriger wurde rassistisch beleidigt, mit dem PKW verfolgt und schließlich von dem Unbekannten attackiert, indem dieser mit einer Waffe mehrfach auf sein Auto einschlug.

Hinzu kommt, dass mehrere Ermittlungsverfahren zu diesen Angriffen eingestellt werden mussten, weil die Täter nicht ermittelt werden konnten, die Staatsanwaltschaft nicht ausreichend Beweise für eine Anklage sah oder Beschuldigte als schuldunfähig gelten.

„Dass etliche der rassistischen Gewalttaten nicht als solche anerkannt wurden und für die Täter*innen häufig ohne Konsequenzen blieben, ist in der Summe ein fatales Signal. Die Perspektive der Betroffenen wird zu oft in Frage gestellt, während effektiver Schutz ausbleibt. Hinzu kommt die Sorge vor einem Wahlsieg der AfD, welche „Remigration“ zum zentralen Leit- und Kampfbegriff ihres Wahlprogramms gemacht hat. Zudem hat sie darin bereits eine Abschiebeoffensive und die Abschaffung der Förderung für wichtige Beratungs- und Unterstützungsstrukturen angekündigt.“

ANTJE ARNDT, MOBILE OPFERBERATUNG

Saaeid Saaeid vom Syrisch-Deutschen Kulturverein Magdeburg und Sprecher des Flüchtlingsrats Sachsen-Anhalt ergänzt die Bewertungen der Mobilen Opferberatung zu rassistischer Gewalt in 2025:

„In Gesprächen mit politischen Verantwortlichen wurde Betroffenen immer wieder geraten, Anzeigen zu stellen. Das kostet viel Kraft und hat in vielen Fällen nicht zu mehr Schutz, sondern vor allem zu neuer Enttäuschung geführt. Viele Betroffene haben ihr Vertrauen in den Rechtsstaat verloren“,stellt Saaeid fest und fordert: „Es braucht endlich klare und wirksame Maßnahmen, die deutlich machen: Diese Angriffe bleiben nicht folgenlos, und Betroffene stehen nicht allein“.

SAAEID SAAEID, SYRISCH-DT. KULTURVEREIN MAGDEBURG & FLÜCHTLINGSRAT SACHSEN-ANHALT

Gewalt gegen politische Gegner*innen erneut angestiegen

Mit 61 Taten hat die Mobile Opferberatung für 2025 – trotz Rückgangs der Angriffszahlen insgesamt – einen erneuten Anstieg von Angriffen gegen Menschen zu verzeichnen, die als vermeintliche oder tatsächliche politische Gegner*innen wahrgenommen und als solche gezielt attackiert wurden (2024: 46). Dabei hatte sich die Anzahl bereits in 2024 im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht. Davon direkt betroffen waren in 2025 insgesamt 79 Menschen, darunter 21 Jugendliche und zwei Kinder. Beispielsweise am 16. Februar, wo fünf Neonazis in der Nacht die Tür des Autonomen Zentrums (AZ) in Salzwedel eintraten, Anwesende mit Flaschen bewarfen und schließlich noch mehrere Scheiben des AZ einwarfen und danach noch zwei Mal im Stadtgebiet versuchten, Linke anzugreifen. Oder am 25. April in Bad Dürrenberg (Saalekreis), wo einem 16-jährigen antifaschistisch engagierten Jugendlichen am Telefon gedroht wurde, Leute bei ihm zu Hause vorbeizuschicken und dabei im Hintergrund verfassungsfeindliche Parolen gerufen wurden.

Nach Betroffenengruppen aufgeschlüsselt galten 28 Angriffe auf politische Gegner*innen Menschen, die von den Tätern als Aktivist*innen wahrgenommen wurden, wie am 17. Januar in Magdeburg-Stadtfeld, wo mehrere Wahlhelfer*innen der LINKEN beim Aufhängen von Wahlplakaten zur Bundestagswahl bedroht, beleidigt und mit Glasflaschen beworfen werden. Oder am 14. Juli, wo Unbekannte nachts auf dem Gelände der Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt soliRADisch in Magdeburg-Stadtfeld Sitzmöbel angezündet sowie Hakenkreuze und SS-Runen angebracht hatten. 26 als Angriffe gegen politische Gegner*innen dokumentierte Taten galten in 2025 sog. Alternativen, also Betroffenen wie dem 15-Jährigen, der in der Silvesternacht in Halle (Saale) nach einer Party beim Warten auf eine Straßenbahn unvermittelt aus einer fünfköpfigen Gruppe Unbekannter heraus als Zecke beleidigt, gewürgt und ins Gesicht geschlagen wurde. Weitere vier Angriffe galten Journalist*innen. Drei richteten sich gegen politische Verantwortungsträger, wie der Hasskommentar mit Bedrohung gegen ein Mitglied des Bundestags auf Facebook am 1. September oder der gezielte Faustschlag eines überregional bekannten Neonazis gegen die Brust eines Landtagsabgeordneten der Grünen während der Proteste gegen eine extrem rechte Buchmesse in Halle (Saale) am 8. November.

Besonders alarmierend ist die Zunahme gezielter Angriffe auf Versammlungs- und Aktionsräume vermeintlicher oder tatsächlicher politischer Gegner*innen. So hat die Mobile Opferberatung insgesamt 18 Angriffe gegen politische Gegner*innen auf oder im Umfeld von Demonstrationen registriert (2024: 6), wobei 11 als primär queerfeindlich dokumentiert wurden.[10] So geschehen am 14. Februar in Osterburg (Landkreis Stendal), wo ein Teilnehmender nach einer Demonstration gegen Rechts auf dem Nachhauseweg unvermittelt von einem Neonazi ins Gesicht geschlagen wurde, bevor dieser mit einem bereitstehenden Transporter flüchtete. Oder am 23. April in Lutherstadt Wittenberg, wo augenscheinliche AfD-Anhänger nach Abschluss ihrer Kundgebung Personen angriffen, die gegen die Versammlung demonstriert hatten. Hinzu kommen fünf dokumentierte Angriffe auf alternative bzw. soziokulturelle Zentren in Salzwedel, Magdeburg und Halle (Saale).

„Der deutliche Anstieg von Angriffen auf vermeintliche politische Gegner*innen zeigt eine strategische Verschiebung rechter Gewalt hin zur gezielten Einschüchterung, Delegitimierung und Verdrängung demokratischer Akteur*innen und antifaschistischen Engagements.“

ANTJE ARNDT, MOBILE OPFERBERATUNG

Serie unberechenbarer rechter Gewalt durch Neonazigruppe „Deutsche Jugend Zuerst“

Nachdem die Mobile Opferberatung bereits in ihrer Vorjahresbilanz vor immer gewaltbereiter agierenden, neonazistischen Jugendgruppen wie der „Deutschen Jugend zuerst“ gewarnt und in diesem Zusammenhang mehrere Angriffe dokumentiert hatte, setzte sich die Gewalt auch in 2025 fort. Besonders brutal und unberechenbar tat sich wiederum der 23-jährige Neonazi Lucas K. hervor, der trotz seiner großen Statur und auffälligen Äußeren – u.a. Bomberjacke, Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln und Siegrunen-Tattoos auf den Fingern – monatelang weitestgehend unbehelligt von den Strafverfolgungsbehörden in Halle (Saale) immer wieder Menschen angreifen konnte.[11]

So verschickte Lucas K. am 3. Januar aus Verärgerung über das noch nicht überwiesene Bürgergeld seinem Sachbearbeiter im Jobcenter Halle eine beleidigende Drohmail mit u.a. antisemitischen und sexistischen Beleidigungen. Am 28. Januar beleidigte und bedrohte er an der Bushaltestelle Trotha eine junge Frau, die einen Beutel mit der Abkürzung „FCKNZS“ trug u.a. mit „Scheiß Zecke!“ und „Ich schlag dich tot!“. Am 17. Februar verfolgte und beleidigte K. drei 15- bis 18-jährige Schüler einer freien Schule nach ihrem Pauseneinkauf in einem Supermarkt in Halle-Trotha als „Zecken“, nahm einen der Teenager in den Schwitzkasten und schoss in der Folge drei Mal mit einer mit Stahlkugeln aufmunitionierte Gaspistole auf sie. Eine der Kugeln traf den 15-Jährigen am Hinterkopf; eine weitere durchschlug die Jacke seines Begleiters. Obwohl die Schüler den alarmierten Polizisten kurz darauf einen Naziskin mit einer auffälligen Tätowierung, schwarzer Bomberjacke und Schlauchschal mit Totenkopf beschrieben und sich das mit Aussagen von Zeug*innen der vorherigen Angriffe deckten, blieb Lucas K. auf freiem Fuß.

Am 14. März wurde ein Passant an der Haltestelle in Halle-Trotha von K. mit seiner Schreckschusswaffe direkt ins Gesicht geschossen. Dieser hatte sich davon provoziert gefühlt, dass der 40-Jährige das Stacheldrahttattoo auf seiner Stirn belächelte. Nur weil der Betroffene sich geistesgegenwärtig zur Seite drehte, erlitt er lediglich eine stark blutende Risswunde am Ohr. Dieses Mal konnten Polizeibeamte den Angreifer nach dem Notruf einer Zeugin noch vor Ort stellen, nahmen ihm aber lediglich die Waffe ab und seine Personalien auf. Dann konnte er nach Hause gehen, obwohl Lucas K. unter zweifacher Bewährung stand und ihm das Tragen einer Waffe amtlich untersagt worden war.

Zehn Tage später, am 24. März wurde schließlich ein Schwarzer Polizist, der in Zivil und in Begleitung seiner hochschwangeren Lebensgefährtin war, nach dem Einkaufen in Halle-Trotha von K. und drei seiner Kameraden rassistisch beschimpft und u.a. mit erhobenen Bierflaschen verfolgt. Dann zog K. einen Teleskopschlagstock und schlug mit voller Wucht in Richtung Kopf des Betroffenen. Diesem gelang es auszuweichen, sodass er nur leicht am Ohr verletzt wurde. Dann kippten die Angreifer noch Bier über den Betroffenen und in die Einkaufstaschen, beschimpften ihn weiter aufs Übelste rassistisch, riefen „Sieg Heil“ und zeigten den sog. Hitlergruß. Wenig später nahmen Polizisten Lucas K. fest und ein Haftrichter ordnete schließlich Untersuchungshaft an.

Doch auch nach der Inhaftierung von K. hat die Mobile Opferberatung noch mindestens fünf weitere Angriffe in 2025 in Halle (Saale) und Umgebung dokumentiert, wo die Täter der DJZ bzw. ihrem Umfeld zugeordnet werden können. Der folgenschwerste wurde am Abend des 20. Dezember verübt, als acht teilweise vermummte Neonazis ein Lokal in der Innenstadt Halles stürmten, Teile des Inventars zerstörten und einen 31-jährigen Schwarzen Besucher bewusstlos schlugen und traten.[12] Hinzu kommt ein Angriff auf eine FLINTA-Demonstration am 7. März in Halle (Saale), wo junge Neonazis Flaschen auf die Teilnehmenden warfen.

„Wir haben in 2025 eine besorgniserregende Zunahme teilweise heftiger Gewalt durch zumeist junge Neonazis im öffentlichen Raum registriert. Auch wenn die Mobilisierungsfähigkeit entsprechender Gruppen gegenüber dem Vorjahr nachgelassen hat, scheint deren Anziehungskraft auf junge Männer weiterhin hoch. Hier braucht es neben konsequentem staatlichem Eingreifen – also klaren ordnungs- und polizeilichen Maßnahmen sowie entschlossener Strafverfolgung – auch eine verlässliche finanzielle Unterstützung zivilgesellschaftlicher Strukturen u.a. für Präventions- und Bildungsarbeit.“

ANTJE ARNDT, MOBILE OPFERBERATUNG

Queerfeindlichkeit: Christopher Street Days erneut im Fokus von Neonazis

Mit 22 Angriffen und 26 direkt Betroffenen lag queerfeindliche Gewalt in 2025 – nach einer Verdopplung der Zahlen in 2023 – erneut auf dem hohen Niveau der beiden Vorjahre (2024: 24, 2023: 22). Neben 13 Bedrohungen bzw. Nötigungen und 8 Körperverletzungen wurde auch eine massive Sachbeschädigung registriert. Die Hälfte dieser für 2025 registrierten Taten richteten sich gegen queere Strukturen bzw. Versammlungen: Am 17. Oktober wurde die Fensterscheibe eines Gay Clubs in Magdeburg mit Steinwürfen stark beschädigt. 10 Angriffe wurden im Kontext von insgesamt sechs Christopher Street Days (CSDs) dokumentiert.

So wurden gleich zu Beginn der CSD-Saison beim ersten CSD des Jahres 2025 am 26. April in Schönebeck (Salzlandkreis) Teilnehmende beleidigt und bedroht. Einem 20-jährigen Teilnehmer wurde von einem 19-jährigen Rechten mit der Faust ins Gesicht geschlagen, der danach „Heil Hitler!“ skandierte.

Knapp vier Wochen vor dem CSD in Wernigerode (Harz) drohte ein 20-Jähriger in einer Kneipe damit, seine Schusswaffe gegen die Teilnehmenden einsetzen zu wollen und behauptete: „70 Schuss habe ich noch!“ Bei einer darauffolgenden Hausdurchsuchung fand die Polizei in der Wohnung des Mannes zwei Schreckschuss- und eine Softairwaffe sowie Munition.[13] Am 17. Mai wurden Teilnehmende nach Beendigung der CSD-Demonstration in Dessau-Roßlau von mehreren Männern schwulenfeindlich beleidigt und damit gedroht, dass sie „mit Bundeskanzler Friedrich Merz an der Macht beseitigt“ würden. Als einer der Veranstalter die Männer aufforderte zu gehen, wurde er ins Gesicht geschlagen.

Während des CSD am 21. Juni in Lutherstadt Wittenberg (Anhalt-Bitterfeld) wurde ein 18-Jähriger bedroht und weitere Teilnehmende u.a. als „biologischer Abfall“ queerfeindlich beleidigt und bedroht. Parallel zur CSD-Demonstration veranstalteten die Jungen Nationalisten, die Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) eine Gegendemonstration mit etwa 70 Teilnehmenden.[14]

„Angriffe auf queere Sichtbarkeit sind als Bestandteil einer extrem rechten Ideologie zu verstehen, in welcher nicht konforme Geschlechterrollen oder sexuelle Vielfalt abgelehnt und LGBTIQ*-Personen als politische Gegner*innen markiert und bekämpft werden. Wir müssen uns auch für die kommende CSD-Session auf queerfeindliche Mobilisierung und Angriffe einstellen, trotz Sicherheitskonzepten und verstärkten Polizeischutz. Umso wichtiger ist es, sich solidarisch mit der queeren Community zu zeigen und für das Recht geschlechtlicher und sexueller Selbstbestimmung einzustehen.“

ANTJE ARNDT, MOBILE OPFERBERATUNG

„Die Bilanz zu queerfeindlicher Gewalt ist alarmierend und steht in unmittelbarem Zusammenhang mit einem sich normalisierenden queerfeindlichem gesellschaftlichem Klima. Doch so besorgniserregend die Zahlen auch sind, so unvollständig sind sie, betrachten wir die queeren Lebensrealitäten in Sachsen-Anhalt. Alltägliche körperliche, verbale, emotionale und strukturelle Gewalt prägen das Leben queerer Menschen in unserem Bundesland. Trotzdem wird kaum eine der Gewalterfahrungen zur Anzeige gebracht: Je stärker der queerfeindliche Diskurs, desto höher die Zahl der nicht erfassten Fälle. Der Grund: Angst vor institutionalisierter Diskriminierung“.

DARIA KINGA MAJEWSKI, SPRECHERIN DES LSQPRT SACHSEN-ANHALT E.V.

Keine Entwarnung trotz Rückgangs antisemitischer Gewalt

Mit 9 antisemitisch motivierten Angriffen in Sachsen-Anhalt ist nach den in den beiden Vorjahren verzeichneten, erheblichen Anstieg (2024: 25; 2023: 20) erstmals wieder ein deutlicher Rückgang um knapp zwei Drittel (64 %) zu konstatieren. So wurden drei Körperverletzungen (2024: 7, 2023: 3) sowie sechs antisemitische Bedrohungen in die Statistik aufgenommen (2024: 18, 2023 17). So wurde am 6. Juni 2025 ein 36-Jähriger in Köthen (Anhalt-Bitterfeld) auf dem Gehweg aus antisemitischen Motiven bedroht.

Wie gefährdet die ohnehin schon begrenzten Schutzräume für Jüdinnen_Juden in Sachsen-Anhalt weiterhin sind, verdeutlicht auch die Anfang 2025 bekannt gewordene Anschlagsdrohung auf die Synagoge in Halle (Saale). So war Mitte Februar ein 19-jähriger, gebürtiger Hallenser in der Schweiz festgenommen worden, nachdem er auf Telegram mit seinen Plänen geprahlt hatte und sich bereits eine Waffe besorgt haben soll.[15]

„Der Rückgang der registrierten antisemitischen Gewalttaten ist kein Zeichen der Entwarnung, sondern Zeugnis einer fortschreitenden Unsichtbarmachung von Jüdinnen_Juden“, sagt Antje Arndt. Denn infolge wachsender Bedrohung und fehlender Solidarisierung vermeiden es Betroffene zunehmend, sich am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum oder im Studium als jüdisch zu erkennen zu geben. Jüdisches Leben in Sachsen-Anhalt muss nicht nur geschützt, sondern aktiv ermöglicht und gestärkt werden. Hierfür braucht es neben einer ausreichenden und verlässlichen Finanzierung von Empowerment-Angeboten und antisemitismuskritischer Bildungsarbeit auch eine aktive Solidarisierung im Alltag.

ANTJE ARNDT, MOBILE OPFERBERATUNG

Angriffsorte und regionale Verteilung

125 und damit etwas mehr als die Hälfte (54 %) der politisch rechts motivierten Angriffe in 2025 in Sachsen-Anhalt wurden im öffentlichen Raum begangen (2024: 177 ≈ 61 %): 87 auf öffentlichen Straßen und Plätzen (2024: 131) und 20 an Bahnhöfen, Haltestellen und in öffentlichen Verkehrsmitteln (2024: 46). Allerdings ist festzustellen, dass rechte Gewalt in 2025 relativ gesehen weniger spontan und situativ verübt wurde. So hat sich die Anzahl der Angriffe auf und im Umfeld von Demonstrationen im Vergleich zu 2024 verdreifacht (2025: 18, 2024: 6), wobei das Hauptmotiv bei 10 Queerfeindlichkeit war und sich acht gegen politische Gegner*innen richteten. Demgegenüber blieb Gewalt im direkten Wohnumfeld mit 31 Angriffen in 2025 relativ betrachtet etwa gleich hoch wie im Vorjahr (2025: 14 %; 2024: 16), wobei die Taten wie in den Vorjahren überwiegend aus rassistischen Motiven begangen wurden (2025: 23 ≈ 74 %; 2024: 36 ≈ 80 % ).

Mit 67 Angriffen und 86 direkt Betroffenen wurden in der Stadt Halle (Saale), wie schon in den Vorjahren, in 2025 Sachsen-Anhalt-weit die meisten Taten verübt (2024: 67), gefolgt von der Landeshauptstadt Magdeburg mit 62 Angriffen (2024: 76), wobei hier mit 95 direkt Betroffenen Sachsen-Anhalt-weit die meisten Menschen unmittelbar betroffen waren. Bei den Landkreisen waren die Hotspots rechter Gewalt in 2025 der Harz mit 16 (2024: 12), der Altmarkkreis Salzwedel mit 14 (2024: 15) und der Saalekreis mit 13 (2024: 18). Jeweils 10 Angriffe wurden im Landkreis Anhalt-Bitterfeld (2024: 19) registriert, gleichauf mit der Stadt Dessau-Roßlau (2024: 10). Dahinter folgen im einstelligen Bereich jeweils mit 6 Angriffen der Bördekreis (2024: 9), der Salzlandkreis (2024: 14) und der Landkreis Stendal (2024: 11). Im Burgenlandkreis wurden für 2025 noch 5 Angriffe registriert (2024: 7), im Landkreis Mansfeld-Südharz (2024: 7).

Fazit

Rechte Gewalt in Sachsen-Anhalt bleibt trotz rückläufiger Gesamtzahlen auf einem anhaltend hohen Niveau und hat sich zugleich qualitativ verändert: Angriffe auf politisch Engagierte sowie Orte migrantischen und queeren Lebens nehmen weiter zu. Diese Entwicklung folgt einer Strategie der Einschüchterung und „Raumnahme“. Sie zielt darauf ab, Sichtbarkeit zu verdrängen, Engagement zu schwächen und demokratische Räume unter Druck zu setzen. Gleichzeitig verschärft ein gesellschaftliches Klima der Normalisierung extrem rechter Narrative die Lage. Betroffene erleben mangelnde Solidarität, unzureichenden Schutz sowie eine defizitäre Wahrnehmung und Verfolgung der Taten durch die Strafverfolgungsbehörden. Dies trägt zu wachsender Verunsicherung, Rückzug und Unsichtbarkeit bei.

Menschen, die in das Feindbild extrem rechter Ideologien passen oder sich aktiv für eine vielfältige, demokratische Gesellschaft einsetzen, waren auch 2025 einer massiven Bedrohungslage ausgesetzt. Wer sich Queerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus entgegenstellt, muss vielerorts um die eigene körperliche Unversehrtheit fürchten. Gleichzeitig geraten engagierte zivilgesellschaftliche Akteur*innen zunehmend unter Druck und erfahren zu wenig Schutz und Unterstützung.

Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist zu befürchten, dass sich diese Entwicklung weiter zuspitzt. Und auch die angekündigte Umstrukturierung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ verstärkt die Sorge vor einem brachialen Abbau demokratischer Infrastruktur in Sachsen-Anhalt nach der Wahl. Sollte ein politischer und finanzieller Rückzug auch auf Bundesebene umgesetzt werden, droht eine gefährliche Lücke: Die Gewalt gegen politische Gegner*innen könnte weiter zunehmen, während gleichzeitig jene Strukturen geschwächt oder abgeschafft werden, die Betroffene unterstützen und demokratische Werte aktiv verteidigen.

„Zivilgesellschaft ist nicht als ergänzender, sondern zentraler Bestandteil der Sicherheitsarchitektur gegen rechte Gewalt zu verstehen. Sie braucht politische Rückendeckung statt Verunsicherung und Delegitimierung. Dazu gehört auch, Fachberatungsstellen der Gewaltopfer- und Antidiskriminierungsarbeit sowie Selbstorganisationen betroffener Communities langfristig finanziell abzusichern.“

ANTJE ARNDT, MOBILE OPFERBERATUNG

Dank

Unser ausdrücklicher Dank gilt all denjenigen, die Angriffe an uns gemeldet haben sowie folgenden Kooperationspartner*innen, deren Fälle gemäß den Kriterien ebenfalls in unsere Statistik 2025 eingeflossen sind:

  • Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt Anhalt/Bitterfeld/Wittenberg bei AWO SPI Soziale Stadt und Land Entwicklungsgesellschaft mbH,
  • Entknoten – Beratungsstelle gegen Alltagsrassismus und Diskriminierung bei LAMSA e.V.,
  • RIAS Sachsen-Anhalt bei OFEK e.V.,
  • Meldestelle Antifeminismus bei Lola für Demokratie e.V.

Über uns

Die Mobile Opferberatung in Trägerschaft von Miteinander – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V. unterstützt seit 2001 als fachspezifische Gewaltopferberatungsstelle Betroffene rechter, rassistischer, antisemitischer, antiromaistischer, queerfeindlicher, sozialdarwinistischer und antifeministischer Gewalt, ihr soziales Umfeld sowie Zeug*innen in Sachsen-Anhalt: parteilich, kostenlos, vertraulich, auf Wunsch auch anonym und unabhängig von einer Anzeigenerstattung. Die Arbeit wird aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und mit Mitteln des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt finanziert.

Unser Monitoring bildet nur jene Spitze des Eisbergs rechter bzw. vorurteilsmotivierter Gewalt ab, die Menschen in ihrer körperlichen Unversehrtheit verletzt. Vorfälle in den Bereichen Beleidigung, Verwendung von verfassungswidrigen Symbolen, Diskriminierung und Mobbing werden in der Statistik nicht berücksichtigt. Die Definitionen der Gewalttaten orientieren sich an den polizeilichem Definitionssystem PMK, um Vergleichbarkeit mit den behördlichen Zahlen zu gewährleisten. Ausnahmen bilden Sachbeschädigung sowie Nötigung und Bedrohung. Dies sind zwar keine klassischen Gewaltstraftaten, werden aber aufgrund der ähnlichen Wirkung auf Betroffene miterfasst.

Die Einordnung von Angriffen in unsere jährlichen Statistiken erfolgt anhand gemeinsamer Qualitätskriterien des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e.V. (VBRG) und erst, wenn ausreichend Informationen zu einem Fall vorliegen. Eine Zählung nach Hören-Sagen erfolgt nicht. Die Hinweise zu Angriffen erlangen wir u.a. über direkt Betroffene, deren Angehörige oder Freund*innen, Kooperations- und Netzwerkpartner*innen vor Ort, eindeutige Pressemitteilungen der Polizei, eindeutige Presseartikel oder aus Antworten zu Kleinen Anfragen im Landtag zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK).


[1] Zudem ist von einer erheblichen Anzahl nicht angezeigter und auch der Mobilen Opferberatung nicht bekannt gewordener Angriffe auszugehen (vgl. u.a. „Der Deutsche Viktimisierungssurvey 2017, S. 25 ff.

[2] Für eine bundesweite Vergleichbarkeit mit den polizeilichen Statistiken zu politisch rechts motivierten Gewaltstraftaten wurden in die Berechnung pro 100.000 Einwohner*innen Nötigungen/ Bedrohungen sowie massive Sachbeschädigungen herausgerechnet.

[3] davon 72 nach ab 2023 geänderter Zählweise

[4] 18 Kinder (0-13 Jahre) und 24 Jugendliche (14 bis 17 Jahre)

[5] 2024 waren vier von sechs Brandstiftungen rassistisch motiviert.

[6] So hatte die Mobile Opferberatung in den 12 Tagen bis Jahresende 2024 mit 14 verübten sog. Resonanztaten – 10 davon rassistisch – einen sprunghaften Anstieg rassistisch motivierter Gewalt in Magdeburg registriert.

[7] Am 23. Mai zündet derselbe Täter wie im Januar im selben Stadtteil schließlich erneut einen Böller vor einem Barbershop, wodurch es der Polizei drei Wochen später gelang, einen 36-jährigen Tatverdächtigen zu ermitteln, gegen den nach einer Hausdurchsuchung Untersuchungshaft angeordnet wurde (vgl. Presseerklärung 238/2025 des Polizeirevier Magdeburg vom 23.06.2025).

[8] vgl. auch Jahresbilanz der Mobilen Opferberatung 2024 vom 03.04. 25 unter https://www.mobile-opferberatung.de/jahresbilanz-der-mobilen-opferberatung-2024/)

[9] siehe ZDF: Am Puls mit Dunja Hayali – die innere (Un-)Sicherheit, Sendung vom 21.08.2025, ab Minute 31:04

[10] Diese mehrdimensionalen Taten wurden nicht als Angriffe gegen politische Gegner*innen, sondern zur besseren Sichtbarmachung in der eigenständigen Kategorie Queerfeindlichkeit erfasst (vgl. Kapitel Queerfeindlichkeit)

[11] Bereits am 7. November 2024 hatte K. einen Studenten in der Straßenbahn beleidigt, mit einem Messer bedroht und mit der Faust ins Gesicht geschlagen nach dessen Bitte, den laut abgespielten, rassistischen und NS-verherrlichenden Rechtsrock auszumachen. Oder am 19. November 2024, wo er einem Paar nach dem Aussteigen aus der Straßenbahn damit gedroht hatte, ihnen den mitgeführten Maurerhammer auf den Kopf zu schlagen.

[12] Zwei Tage darauf wurde der Überfall auf dem Instagram-Profil der DJZ Halle ausdrücklich gelobt, zur Wiederholung aufgefordert und das Vorgehen als politisch notwendig begründet. Weil bei dem „Anführer“ der Gruppe offenbar im Zuge der Ermittlungen eine Hausdurchsuchung stattgefunden und das Handy beschlagnahmt worden war, wurde auch dazu aufgerufen, ein Handy für ihn zu spenden.

[13] Zudem brachten Unbekannte rund 250 queerfeindliche Aufkleber entlang der Umzugsroute an und strichen die Tür eines Jugendzentrums in den Farben der Reichskriegsflagge Schwarz-Weiß-Rot. Und schließlich versuchten einzelne junge Neonazis am 7. Juni, den CSD in Wernigerode zu stören.

[14] Für die Gegenproteste zum CSD am 23. August in Magdeburg konnten die JN und weitere extrem rechte Akteure etwa 350 Anhänger*innen mobilisieren. Auch hier kam es im Zusammenhang mit dem CSD zu mehreren Angriffen, Beleidigungen und es wurden zahlreiche Verfahren wegen Verwendens verfasssungsfeindlicher Kennzeichen eingeleitet.

[15] https://www.mz.de/mitteldeutschland/sachsen-anhalt/festnahme-in-der-schweiz-19-jahriger-soll-mit-anschlag-auf-synagoge-in-halle-gedroht-haben-4013729

(Interaktive) Grafiken